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KULTUR-KUNST-MUSEEN Die Region Luganersee – eine Wiege der Kunst
Kulturelle Rundschau zwischen Vergangenheit und Zukunft
Auch das Kulturleben des Tessins ist stark von seiner spezifischen geographischen Lage beeinflusst. Es schaut und verbreitet sich naturgemäss
Richtung
Süden zu den lombardischen Seen und nach Mailand. Gleichzeitig ist es aber offen nach Norden, vor allem dank des seit dem Mittelalter offenen, völkerverbindenen St. Gotthardpasses, der in unseren zeiten durch eine Eisenbahnlinie und die Autobahn zur grossen europäischen Nord-Süd-Achse wurde. Das Tessin ist traditionell ein Durchgangsland mit der schnellsten Verbindung zwischen Nord- und Südeuropa. Es unterlag deshalb schon immer dem Einfluss und dem Austausch anderer Kulturen und bewährte sich sowohl in der Rolle des Kulturvermittlers wie des Trägers einer eigenen spezifischen Kultur.
Das Tessins ist arm an Bodenschätzen, aber reich am Wasser, Gesteinen und prächtigen Landschaften. Ursprünglich entwickelte es erst eine reine Subsistenzlandwirtschaft, später erweitert durch die Intelligenz und
Unternehmungslust der Bevölkerung vor allem im Bereich der Steinverarbeitung. Das heutige Territorium des Tessins war in den ersten jahrhunderten des zweiten Jahrtausends die Heimat der Maestri Comacini, der Intelvesi und
Campionesi, die in ganz Europa Spuren ihrer architektonischen könnerschaft hinterliessen, im Rom der Päpste ebenso wie in Moskau und im St. Petersburg der Zaren. Unter den vielen berühmten Namen seien nur einige erwähnt: die
Solari aus Carona, die Gaggini und Francesco Borromini aus Bissone, der grosse Architekt im barocken
Rom des 16.Jahrunderts; dann Carlo Maderno aus Capolago, der ebenfalls zu den berühmten Architekten Roms gehörte, Stefano Maderno, ein Bildhauer und Restaurator aus Bissone, Baldassarre Longhe aus Maroggia, der im 16.Jahrundert als Bildhauer und Architekt in Venedig tätig war, der Maler Pier Francesco Mola aus Coldrerio, Giovanni Serodine aus Ascona und so durch die Jahrunderte bis zum Architekten Trezzini, dem Miterbauer von St. Peterburg, und zu Vincenzo Vela aus Ligornetto, einem Bildhauer, der sich im italienischen Risorgimento engagierte.
Man könnte die Liste noch mehr verlängern. Wichtig aber ist es, daran zu errinern, dass diese konstruktive Ader – die sich vom „Land der See“ ausdehnte und neben dem heutigen Tessin auch die Territorien von Como, Varese,
Bergamo und Brescia sowie Teile des Piemonts umfasste – nicht nur in der Kunst und Architektur ihre tiefen Spuren hinterlassen hat. Sie hat auch zu einer Entprovinzialisierung des Tessins beigetragen und Literaten
hervorgebracht, die weit über die Grenzen der Schweiz anerkannt werden. Man denke an den Schrifsteller und Lyriker Francesco Chiesa, an Giorgio und Giovanni Orelli, an Virgilio Gilardoni und andere Schriftsteller, Lyriker und
Forscher. In den verschiedenen Regionen des Tessins, in den Tälern und an den Seeufern, hat sich im Verlauf der Jahrunderte auch eine starke Volkskultur entwickelt, deren wichtige Spuren wir heute noch in historischen,
religiösen, künstlerischen und volkstümlichen Veranstaltungen und Bräuchen finden.
Eine Weltstadt moderner Architektur In Lugano und Umgebung finden sich die schönsten Werke berühmter Architekten Einer der
eindrücklichsten Aspekte zeitgenössischer Kultur in der Region Lugano äussert sich in der Architektur. In den vergangenen 50 Jahren ist eine Art „Architekturschule“ entstanden, die in der ganzen Welt bekannt wurde und aus
diesem Flecken Schweiz ein Zentrum der Weltarchitektur gemacht hat. Kein Zufall deshalb, dass diesem Phänomen grosse Aufmerksamkeit geschenkt wird. Forscher und Spezialisten widmen ihm heute ihr Interesse, verfassen Essays und
Studien. Daraus entstand eine beeindruckende Bibliographie. Dieses Interesse zeigt sich auch in den zahlreichen Besuchern von privaten und öffentlichen Gebäuden in der ganzen Region, vom Monte Ceneri bis an die Grenze zur
Lombardei. Der bekannteste unter diesen zeitgenössischen Architekten ist zweifellos Mario Botta, der in der Nähe von Mendrisio aufwuchs und heute zu den bekanntestens Vertretern moderner Architektur gehört. Seine
Einfamilienhäuser in Morbio Superiore (casa Pusterla), in Ligornetto (casa Bianchi), in Massagno (casa Robbiani), in Breganzona (casa Genini) sowie viele andere, wie beispielsweie der Hauptsitz der Banca del Gottardo, die
Biblioteca Salita dei Frati, beide in Lugano, und die Kirche auf dem Monte Tamaro mit Fresken von Enzo Cucchi, gehören zu den wichtigen Zeugen dieser modernen Baukunst. Auch wenn Mario Botta heute das gefeierste Talent ist,
so darf man die anderen bedeutenden Architekten nicht vergessen, die den Weg dieser Architektgeneration vorbereitet haben. Der Doyen und Altmeister ist Rino Tami, wie seine Biblioteca cantonale in Lugano zeigt, die 1940 gebaut
wurde und sofort in die Annalen
moderner Architektur einging. Ihm verdankt das Tessin weitere hervorragende Bauten, darunter di Autobahn, welche die Region durchquert und der Rino Tami ein unverwechselbares architektonisches Gesicht gab. Zu den hervorragenden Architekten gehören auch Alberto Camezind und Augusto Jäggli, Tita Carloni, der unter anderm das Volkhaus und den Palazzo Garzoni in Lugano baute, Peppo Brivio, der Architekt des herausragenden Mietshauses Albaironi in Massagno, sowie CarloPonti. Wichtig und beühmt sind in Lugano und Umgebung auch Bauten von Luigi Snozzi, Livio Vacchini, Aurelio Galfetti, Giancarlo Durisch, Flora Ruchat, Bruno Brocchi, Roberto Sennhauser und andern.
Eine illustrierte Broschüre, die von den Verkehrsverein abgegeben wird, führt auf die Spuren auch anderer berühmter Architekten wie Mario Campi, Franco Pessina und Niki Piazzoli (casa Boni in Massagno, casa Filippini in
Muzzano und casa Polloni in Origlio, um nur die bekanntestens zu nennen); hinzu kommen die Bauten von Emilio Bernegger, Bruno Keller und Edy Quaglia sowie die Werke von Bruno Reichlin & Fabio Reinhart, Elio Ostinelli, Ivano
Gianola und weiterer Vertreter der jüngsten Architektgeneration. Die Liste könnte fortgesetzt werden. Wichtig ist, die interessanten Aspekte einer Entwicklung wahrzunehmen, die immer noch im Gang ist, die Kriterien neuer
Modernität, die neuen Technologien im Einklang, mit den Regeln der Baukunst und den Charakteristiken des Territoriums. Das Resultat ist nach einhelligem Urteil eine bessere Lebensqualität sowohl auf öffentlichen als auch auf
privaten Grundstücken, verbunden mit einer architektonischen Würde von hohem Wert, die dieser Qualität und Konzentration vielleicht einmalig ist auf der Welt.
Kirchen und Fresken – ein kulturelles Erbe Kunstdenkmäler in der Region Lugano Die künstlerische Neigung der Tessiner Bevölkerung hat
über Jahrunderte hinweg zur Entstehung von Kunstdenkmälern geführt, die auch heute noch die Städte und Dörfer dieser Region schmücken. Es ist an dieser Stelle kaum möglich, alle Verknüpfungspunkte unter den einzelnen Künstlern
zu vermitteln oder gar einen chronologischen Ablauf zu rekonstruieren. Weshalb wir in diesem Kapitel nur einige der wichtigsten Kunstwerke aufführen und im übrigen auf die spezifischen Kapitel hinweisen. Es muss auch erwähnt
werden, dass viele der bekanntesten Werke von Tessiner Künstlern nicht im Tessin, sondern in den grossen Metropolen Europas stehen, in Rom und Venedig, in Wien und Paris, in Warschau, in St. Petersburg, in Moskau und in anderen
Städten des Kontinents. Die tiefverwurzelte religiöse Tradition hat dazu geführt, dass ein grosser Teil der Kunstwerke, vor allem bildhauerischer und architektonischer Natur, mit Kirchen und anderen religiöse Werken im
Zusammenhang stehen. In Lugano lohnt sich ein Besuch der Kathedrale San Lorenzo mit ihrer prächtigen Renaissance-Fassade; die Kirche fusst auf einem römischen Fundament und beherbergt eine Reihe von Fresken aus dem
14.Jahrundert an der westlichen Wand und aus dem 14. bis 18. Jahrundert an den Säulen des Kirchenschiffs. In einer Seitenkapelle befindet sich eine Altartafel von G.B Carloni aus dem Jahre 1632. An der Seepromenade steht die
Kirche Santa Maria degli Angeli, die früher zu einem 1490 gegründeten Franziskanerkloster gehörte, das 1848 aufgehoben wurde. Die Wand, die den Chor trennt, ist mit einem Monumentalfresko verziert, das 1529 von Bernardnio Luini
geschaffen wurde und den Leidensweg und die Kreuzigung Christi darstellt.Ebenfalls in Lugano befinden sich die Kirche von Loreto mit einem Rokoko-Portico sowie die barocken Palazzi Riva. Auch ein Besuch der romanischen
Kirchen von SS. Pietro e Paolo in Sureggio (Lugaggia), von San Martino in Sonvico und S. Stefano in Miglieglia lohnt sich. In letzterer sind bedeutende spätgotische Fresken zu sehen. Auch S. Ambrogio in Cademario, eine einfache
einschiffige Wallfahrtskirche aus dem 12. Jahrundert, ist sehenswert, ebenso die Kirche S. Maria dei Ghirli in Campione mit bedeutenden Fresken aud dem 14. und 17. Jahrundert, die Kirche San Mamete in Mezzovico mit einem
romanischen Turm und Fresken aus dem 16. Jahrundert. In Carona steht die romanische Kirche Santa Maria Assunta al Torello mit fragmentarischen Fresken aus dem 13.Jahrundert. Reiche Stukkaturen und Fresken des Petrini kann man
hingegen in der Wallfahrtskirche S. Maria d’ Ongero bewundern. Ebenfalls in Carona steht die Kirche San Giorgio mit romanischen Elementen. Prächtig ist der romanische Turm der Kirche S. Stefano in Tesserete, deren Inneres
reich ausgeschmückt ist, unter anderem mit Fresken aus dem 15. Jahrundert. Noch vor dem Jahr 1000 wurde die Kirche San Vitale in Riva San Vitale erbaut, ein Dorf, das vor allem durch sein Baptisterium bekannt wurde. Es gilt als
ältester Sakralbau der Schweiz und wurde vermutlich um das Jahr 500 erbaut. Beim Baptisterium von Riva San Vitale handelt es sich um einen Zentralbau in kubischer Konstruktion, auf den ein Oktogon aufgesetzt wurde. Wertvolle
spätgotische Fresken finden sich in der Capella S. Antonio Abate
in Morcote, und interessant ist auch die S. Ambrogio gewidmete mittelalterliche Kirche mit romanischem Turm in Ponte Capriasca. Sie beherbergt ein Abendmahl-Fresko mit grossem dokumentarischem Wert, da es sich um eine zeitgenössische Kopie des Meisterwerks von Leonardo da Vinci handelt.
MUSEEN Zeugnisse grosser Künstler Das Kantonale Kunstmuseum in Lugano Das
Kantonale Kunstmuseum steht mitten in der Altstadt von Lugano in einem mittelalterlichen Gebäudecomplex. Unter den vielen kulturellen Angeboten der Stadt und ihre Umgebung gehört es für die Besucher sozusagen zu den
„obligatorischen“. Dies sowohl wegen der permanenten Austellung als auch wegen der übrigen Austellungstätigkeiten, zum Beispiel auf dem Gebiet der Photographie. Die permanente Ausstellung umfasst Werke
italienisch-schweizerischer und italienischer Künstler des 19. und 20. Jahrunderts. Beginnend bei Werken des Bildhausers Vincenzo Vela, gelangen wir über Filippo Franzoni, Luigi Rossi, Varlin und viele andere zu den
Zeitgenossen Edmondo Dobrazanski, Massimo Cavalli und Flavio Paolucci. Zu ihnen gesellen sich einige der wichtigsten Künstler Italiens des 20. Jahrunderts, Sironi und Carrà, Casorati und Ennio Morlotti, und zahlreiche weitere
Moderne. Bei beiden Kategorien liegt das Schwergewicht bei der historischen Avantgarde, die Kontakte zur Region Luganersee, aber auch zu Locarno und Ascona hatte. Werke von Klee, Jawlensky, Werefkin, Schlemmer, Richter,
Bissier, Arp, Max Bill, Beuys oder – unter den Jungen – Niele Torono bieten die möglichkeit, die vielen Facetten der Evolution moderner und zeitgenössischer Kunst zwischen Figürlichem und Abstraktem aufzunehmen. Das
Kantonale Kunstmuseum beherbergt auch zeitlich befristete Ausstellungen mit einem spezifischen Ausstellungsprogramm. Dieses Programm widmet sich der zeitgenössischen Kunst sowie grossen, von international bekannten
Kunsthistorikern betreuten Ausstellungen, wie beispielsweise jener über Pier Francesco Mola. Das Programm des Museums wird vervollständigt durch Ausstellungen, die bedeutenden Künstlern unseres Jahrunderts gewidmet sind: von
Oskar Schlemmer zu Sophie Täuber-Arp, von Melotti zu Feininger. Im Kantonalen Kunstmuseum unterhält auch die Schweizerische Stiftung für die Photographie eine Zweigstelle und präsentiert regelmässig thematische Ausstellungen
aus ihrem Fundus. Zu den Aufgaben des Museums gehört es auch, jene Kunstwerke zu dokumentieren, zu konservieren und katalogisieren, die dem Kanton Tessin gehören. Im Verlauf der Jahre hat das Kantonale Kunstmuseum eine
lebendige und innovative kulturelle Präsenz in der Museumslandschaft des Tessins entwickelt. Den Beweis dafür erbringt die offene Einstellung des Museums gegenüber den verschiedensten Künstler und Kunstformen, die auf
irgendeine Weise eine Beziehung zum Tessin haben. Dies bewirkte eine Erweiterung des Begriffs der Tessiner Kunstgeschichte, wie er bis heute üblich war. Das Ganze wird unterstützt durcheine gepflegte Präsentation, die von
Architekten und dem Grafiker Bruno Monguzzi realisiert wird. Das Kantonale Kunstmuseum ist von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr und am Dienstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Montags geschlossen.
Kunst von gestern und heute mit Ausblick über den See Die Villa Malpensata, das Museum für moderne Kunst in Lugano Die Villa
Malpensata ist eine typische Villa aus dem 19. Jahrundert, architektonisch im Stil der Strandvillen jener Epoche gebaut. Sie enthält grosszügige helle Räume, die dem See zugewandt sind und ein Panorama von grosser Faszination
freigeben. Wie andere benachbarte Villen aus der gleichen Epoche ist die Villa Malpensata von einer Gartenanlage umgeben, die stufenweise zum Seeufer hinuntersteigt und helle Freiräume aufweist. Ursprünglich gehörte die Villa
der Luganeser Familie Foppa; später ging sie in den Besitz von Antonio Caccia über. 1893 wurde sie samt dem Grundstück der Stadt Lugano geschenkt mit der Auflage, dass die Einkünfte aus dem Besitztum zur Schaffung einer
Kunstmuseumsstiftung dienten, die den Namen des Stifters trägt. So enstand die „Fondazione Caccia“, eine Stiftung, die die ältesten Bestände der städtischen Kunstkollektion betreut. Unter der Leitung der
Testamentsvollstreckers Virgilio Lampugnani wurde 1912 in der Villa das Kunstmuseum eröffnet und so dem Willen des Stifters Genüge getan. 1933 verlegte man die permanente Kunstsammlung in die Villa Ciani, und die Villa
Malpensata zog das Archiv der städtischen Verwaltung ein. In den sechziger und siebsiger Jahren hat der Architekt Gianfranco Rossi das Innere
des Gebäudes im Hinblick auf seine Funktion als Museum umstrukturiert. 1973 konnte die Villa Malpensata der Kulturabteilung der Stadt Lugano für Wander- und temporäre Ausstellungen zur Verfügung gestellt werden. Das Museum
erlangte in der Folge bald einen internationalen Ruf, vor allem wegen der dort veranstalteten Internationalen Kunst- und Kulturmesse, in deren Rahmen einige Ausstellungen von hoher Qualität gezeigt wurden. In den letzten
Jahren schliesslich wurde die Villa Malpensata in das offizielle Museum für moderne Kunst der Stadt Lugano vewandelt. Heute geniesst es dank Ausstellungen von hoher Qualität weiterhin einen international sehr guten Ruf. Unter
den Aktivitäten sei in diesem Zusammenhang an die Ausstellung des Schweizer Malers Varlin, an den amerikanischen Meister Thomas Hart Benton und an Francis Bacon erinnert. Das Museum für moderne Kunst wird auf dieser Linie
weiterfahren und die Präsentation von Künstlern mit Weltruf weiterhin ermöglichen. Während der Ausstellungen ist das Museum ausser montags täglich von 10 bis12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Geschichtliche Vergangenheit und künstlerische Präsenz Die Pinakothek der Villa Ciani in Lugano Der Parco Civico mit der Villa Ciani
gehört zu den schönsten Stellen im prächtigen Golf von Lugano. Der Name der Villa und des Parkes sind an die Gebrüder Giacomo (1776-1868) und Filippo Ciani (1778-1867) gebunden, zwei Tessiner aus dem Bleniotal, die aber in
Mailand aufwuchsen und zu den bedeutendsten Figuren Luganos im 19. Jarhundert gehörten. Sie liessen die Villa in den Jahren 1840 bis 1843 an der Stelle eines alten Palazzo aus dem 17. Jahrundert bauen. Ihre Berühmtheit verdankt
sie vor allem der Tatsache, dass sie in der Geschichte der Emigration während des italienischen Risorgimento eine wichtige Rolle spielte. Der Palazzo, auf dessen Fundamenten die Villa Ciani errichtet wurde, entstand nach dem
Jahr 1622 im Auftrag der aristokratischen Familie Beroldingen, die den Palazzo Mitte des 17. Jahrunderts an die Familie Farina verkaufte. In deren Besitz blieb sie, bis 1838 die Gebrüder Ciani das Gebäude erwarben und zur Villa
umbauten, die wir heute kennen. 1912 wurde sie samt dem Park von der Stadt Lugano den Ciani-Erben abgekauft, um daraus einen öffentlichen Park zu machen. Von 1925 bis 1963 war die Villa Ciani ein historisches Museum. Das
städtische Kunstmuseum wurde erstmals 1933 (Fondazione Caccia) in der Villa installiert und ist immer noch dort untergebracht, wenn auch in anderer Form. Während vieler Jahre hat die Stadt Lugano in einem Teil der Villa eine
Reihe von Ausstellungen zeitgenössischer Kunst durchgeführt. Gleichzeitig diente sie der Munizipalität alswürdiger Rahmen für Einladungen wichtiger Persönlichkeiten. Immer mehr aber wurde sie benützt, um wichtige
Kunstsammlungen aufzunehmen, darunter das Legat von Francesco Messina, das rund 50 Skulpturen umfasst. Ende der achtziger Jahr begann die Stadt, die Villa von Grund auf zu restaurieren und ihr die alte Pracht wieder
zurückgeben. Die Wiedereröffnung ist im jahr 1994 vergesehen.
Grosse Kunst im Namen des Barons Thyssen – Bornemisza Die Villa Favorita in Lugano – Castagnola Die Villa Favorita in
Lugano-Castagnola steht für eine kulturelle Präsenz von ausserordentlicher Bedeutung. In den siebziger und achziger Jahren wurden dort mehrere Ausstellungen mit internationaler Resonanz durchgeführt. Man denke nur an die beiden
Ausstellungen über impressionistische Meisterwerke und postimpressionistische Werke aus sowjetischen Museen, die 1983 und 1987 die Kunstkritiker begeisterten und Zehntausende von Besuchern aus aller Welt anlockten. Die Serie
wichtiger Ausstellungen wurde bis 1991 fortgesetzt und wird weitergeführt, auch wenn inzwischen der Besitzer der Villa Favorita, Baron Thyssen Bornemisza, einen Teil seiner Sammlung – vor allem jene antiker Meister – für die
Dauer von zehn Jahren nach Madrid verlegt hat. Die Villa Favorita steht an privilegierter Lage am Seeufer von Castagnola. Sie wurde 1932 von Baron Heinrich Thyssen-Bornemisza gekauft, der sie ausbauen und einen Flügel
beifügen liess, in dem er seine Sammlung, die bisher in verschiedenen Museen untergebracht war, zusammenfasste. Daraus wurde bald ein festes Museeum mit modernsten Einrichtungen, einem Restaurationslaboratorium und einer
grossen Bibliothek, die Kunsthistoriker aus aller Welt anlockt. Die Tradition des Hauses wurde dann von Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza fortgesetzt, der die Sammlung mit dem Kauf zahlreicher alter und moderner Meister
vervollständigte. Letzterer wandte sich auch neuen Sparten der Kunst zu und erwarb beispielsweise wichtige Werke amerikanischer Maler des 19. und 20. Jahrunderts, französische Impressionisten, deutsche Expressionisten,
Kubisten und Surrealisten bis zu den Abstrakten der zeitgenössischen Malerei. Seine Aufmerksamkeit galt auch Möbeln und Kunstgegenständen der letzten Jahrunderte: orientalischen Teppichen, Schmuck und Juwelen vor allem aus der
Renaissance, alten Geweben und Wandteppichen, Keramik, antiken Bronzefiguren, Eisenplastiken und Zinnfiguren. Die Pinakothek beherbergt zur Zeit die permanente Sammlung von europäischen und amerikanischen Künstlern des 19.
und 20. Jahrunderts, darunter Meisterwerke von Albert Bierstadt, Thomas Hart Benton, Charles Demuth, Lucien Freud, Edward Hopper, Edward Munch, Emil Nolde, Jackson Pollock, Egon Schiele, Gino Severini und Thomas W. Whittredge.
Parallel dazu werden weiterhin jährlich die zeitlich befristeten Ausstellungen mit Werken klassischer und moderner Kunst durchgeführt.
Eine wertvolle Sammlung von Weltbedeutung Das Museum für aussereuropäische Kulturen in Lugano Das Museum für aussereuropäische
Kulturen hat seinen Sitz in der Villa Heleneum, die am Fussweg liegt, der von Lugano nach Gandria führt. Die Villa steht am Ufer zwischen den Weilern Cortivo und San Domenico in einem schönen, öffentlichen Park und wurde
zwischen 1930 und 1934 in neoklassizistischem Stil als Kopie des kleinen Trianon gebaut, das Louis XV. Im 18. Jahrundert in der Nähe von Schloss Versailles erstellen liess. Schon beim Bau wurde die Villa von der Besitzerin
Hélène Biber als kulturelles Begegnungszentrum konzipiert. Die Restauration, die für den Gebrauch als Museum notwendig wurde, beschränkte sich auf wenige Eingriffe, die das ursprüngliche Konzept weder im Innenausbau noch
äusserlich verändert haben. Die Museumsräumlichkeiten sind auf drei Stockwerken angeordnet mit je einem spezifischen Konzept pro Stock. Dies in der Absicht, die Gegenstände nach Herkunft, Kulturkreis und Thematik zu ordnen.
Die Gründung des Museums für aussereuropäische Kulturen verdankt die Stadt den beiden surrealistischen Künstlern Serge und Graziella Brignoni, die 1985 ihre private Sammlung der Stadt Lugano vermachten. Die Sammlung Brignoni
gehört zu den wichtigsten ihrer Art in Europa und besteht aus rund 600 Gegenständen primitiver Kunstaus drei Kontinenten: Ozeanien, Asien und Afrika. Sie enthält sowohl Kultgegenstände als auch Dinge des täglichen Gebrauchs.
Eine genauere Betrachtung der Sammlung bringt uns nach Ozeanien, das ausführlich mit Figuren und Gegenstände kultischen Charakters, mit Fragmenten von Kultushäusern, Amuletten, Masken, Totenkopfhaltern, Musikinstrumenten,
Kriegswerkzeug und Schildern aus Neu-Guinea vertreten ist. Zahlreiche Skulpturen stammen aus Neuirland und Neubritannien, andere aus Melanesien und Polynesien. Das gleiche gilt für Werke von den Fidschiinseln, der Tonga- und
Marshallinseln. Asien ist mit Objekten aus den indonesischen Stammeskulturen von Nias, Sumatra, Kalimantan, Sulawesi, Flores und Timor vertreten. Westafrikanischer Herkunft, aus den Gebieten südlich der Sahara, sind einige
schöne Holzmasken. Neben der Ausstellung beherbergt die Villa Heleneum ein Zentrum für ethnographische Studien mit einer Spezialbibliothek. In diesem Zentrum werden Kongresse, Seminare und weitere kulturelle Veranstaltugen
- auch didaktischer Natur – durchgeführt, die mit der Thematik der permanenten Ausstellung in einem Zusammenhang stehen. Das Museum ist ausser montags täglich von 10 bis 17 Uhr geöffent und in den Wintermonaten geschlossen.
Ein Blick in die Tessiner Natur Das Naturhistorische Museum von Lugano Das Naturhistorische Museum von Lugano wurde 1854 gegründet und
zwischen 1976 und 1979 von Grund auf rekonstruiert. Seither hat es auf verschiedenen Gebieten neue Aktivitäten entwickelt. Als regionales Museum sammelt, studiert und konserviert es Tiere, Pflanzen, Pilze, Mineralien,
Felsgestein und Fossilien des Tessin und baut die rund 11'000 Titel umfassende Dokumentation aus. Zusätzlich widmet es sich Untersuchungen in Zusammenarbeit mit schweizerischen und ausländischen Universitäten und Instituten.
Der Kantonalen Verwaltung steht es für Beratertätigkeit in Fragen des Naturschutzes zur Verfügung und leistet didaktische Arbeit in Form von Kursen, Konferenzen, Ausstellungen, Publikationen usw. Das Museum hat elf
festangestellte und zahlreiche temporär beschäftige Mitarbeiter. In der Öffentlichkeit tritt das Naturhistorische Museum regelmässig als Veranstalter von thematischen Ausstellungen in Erscheinung. Ein kleiner Teil der
Sammlung (von zirka 200‘000 Objekten vor allem aus dem Tessin) wird, unterstützt von Dias und Videofilmen, in verschiedenen Ausstellungen dem Publikum zugänglich gemacht. Die permanenten Ausstellungen enthalten: eine Reihe von
Diaporamen typischer Biotope der Region mit Schwergewicht Fauna und Flora; Mineraliensammlungen aus dem ganzen Tessin, nach Regionen aufgeteilt, sowie Tessiner Felsgestein mit Berücksichtigung der Herkunft. Dazu kommt eine
grosse Sammlung von Pilzen, die im Tessin vorkommen – insgesamt über 1500 liophilisierte Exemplare. Das Naturhistorische Museum führt auch thematische Ausstellungen durch, beispielsweise über Bienen, Wespen, Schmetterlinge
und Muscheln, über Dschungelgebiete und andere typische Naturlandschaften. Dazu kommen Spezialausstellungen über den Schutz der Vögel, über das besonders interessante Tessiner Biotop der Bolle di Magadino und über andere
wichtige Themen. Besondere Aufmerksamkeit verdient die permanente Ausstellung von Fossilien mit teilweise spektakulären Exemplaren aus der berühmten Triasschicht am Monte San Giorgio. Das Museumsgebäude wurde Anfang der
siebziger Jahre auf einem Grundstück am Rande des Parco Ciani erstellt. Es steht in der Nähe des Seeufers und der Mündung des Cassarate auf der gleichen Parzelle, auf der auch kantonale Lyzeum und die kantonale Bibliothek
gebaut wurden. Die Ausstellungsräume sind von Dienstag bis Samstag, jeweilen von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet, öffentliche Feiertage ausgenommen. Der Eintritt ist gratis.
Das Hermann Hesse Museum in Montagnola Der Schriftsteller der Collina d’Oro Das kleine, aber bedeutende Museum Hermann Hesse ist in
der Torre Camuzzi, die zum historischen Gebäudekomplex der Casa Camuzzi gehört, eingerichtet. Hier, wo die eindrucksvolle Arbet der im 19. Jahrundert in St. Petersburg tätigen Tessiner Baumeister spürbar wird, bezog Hermann
Hesse 1919, in seinem 42. Lebensjahr, eine bescheidene Wohnung. Nach einer Zeit der Krise, begründet durch die Trennung von der Familie und die vorausgesehenen, fatalen Auswirkungen des 1. Weltkriegs, begann Hermann Hesse in
Montagnola wieder zu schreiben und entdeckte das Malen als Quelle der Ruhe und der stillen Freude. In der Casa Camuzzi entstanden Klingsors letzter Sommer, Siddhartha, Narziss und Goldmund, Der Steppenwolf sowie zahlreiche
Gedichte, Erzählungen und Aquarelle. 1931 bezog Hesse mit seiner dritten Frau Ninon die Casa Rossa, deren grosse Gemüse – und Blumengarten er selbst bestellte. Die späteren Werke, u.a. Stunden im Garten und Das Glasperlenspiel,
für das er 1946 den Nobelpreis für Literatur erhielt, und seine Briefe geben Zeugnis seiner Schaffenskraft. Viele berühmte Persönlichkeiten kamen nach Montagnola (u.a. Theodor Heuss, Thomass Mann, Bertold Brecht), um Hermann
Hesse zu besuchen und mit ihm Gedanken auszutauschen. Hesse, seit 1924 Schweizer Bürger, fühlte sch in Montagnola zu Hause; die unvergleichliche Natur und die besonderen Lichtverhältnisse auf der Collina d’Oro hatten es dem
Künstler angetan. Hinzu kam die zurückhaltende Art der Tessiner, die er immer wieder lobend in seinen Erzählungen erwähnt. Toleranz, Offenheit, Integrität und Weitblick haben ihn heute zu einem der meistgelesenen,
deutschsprachigen Schriftsteller gemacht. Seine Werke sind in 54 Sprachen übersetzt; die Gesamtauflage beläuft sich auf ca. 100 Millionen Exemplare. Am 2. Juli 1997 wurde das Museum in Montagnola, als erstes und bisher
einziges in der Schweiz, anlässlich des 120. Geburstages Hermann Hesses eingeweiht. Es enthält kostbare Zeugnisse der letzten 43 Jahre des Dichters und Malers, der bis zu seinem Tode im jahre 1962 in Montagnola gelebt hat. Das
Museum ist eine kulturelle Begegnungsstätte, die einem internationalen Publikum offensteht. Im Kino werden Dokumentarfilme in italienischer, deutscher, englischer und französischer Sprache gezeigt; Bücher von Hermann Hesse in
verschiedenen Sprachen am Eingang und im Garten des Museums laden die Besucher zum Lesen und Verweilen ein. Auf dem ausgeschilderten Wanderweg „Auf den Spurn Hermann Hesses“ kann man die eindrucksvolle Landschaft der Collina
d’Oro geniessen. Jeden Sonntag um 17.00 Uhr finden im Museum Lesungen von Hermann Hesse-Texten in italienischer und deutscher Sprache statt.
Geschichte und Kultur eines Territoriums Das Museum des Malcantone in Curio Das Museum des Malcantone wurde 1985 im
altenSekundarschulhaus von Curio eröffnet. Es handelt sich dabei um ein wertvolles Gebäude, das 1855 vom Architekten Luigi Fontana erbaut und später vom Verkehrsverein des Malcantone mit der Absicht gekauft wurde, dort ein
Museum zu errichten. Die Vereinigung Museum des Malcantone hat durch ausgedehnte Recherchen in der ganzen Region Kultur und Geschichte dieses Territoriums untersucht und das Museum in der Absicht eingerichtet, der Bevölkerung
eine vertiefte Kenntnis der Vergangenheit und Gegenwart ihrer engeren Heimat zu vermitteln. Zu den wichtigsten Aktivitäten des Museums gehören:
- Die Einrichtung von Ausstellungsräumen, in denen eine Synthese der traditionellen Ökonomie (Landwirtschaft, Handwerk, Emigration), des
sozialen und religiösen Lebens der Vergangenheit sowie der anderen wichtigen Aspekte des Territoriums vermittelt wird.
- Das Sammeln von Dokumentationen verschiedenster Art (Objekte, Dokumente, Fotos, Tonbänder, Bücher usw.), deren Klassifizierung und
Archivierung es den Interesssierten ermöglicht, alles einzusehen, was es sich für das Studium des Malcantone als nützlich erweist.
- Die Förderung historischer, ethnographischer, linguistischer, geographischer, architektonischer und anderen Studien, nicht zuletzt im Hinblick
auf die Verwirklichung von thematischen Ausstellungen im Museum.
- Die Förderung von kulturellen Veranstaltungen in der ganzen Region mit besonderer Berücksichtigung der Schulen. Das Museum bietet nicht nur
die Möglichkeit, die Ausstellungsräume zu besuchen, sondern organisiert auch geführte Besichtigungen und Tagungen, fördert Recherchen und andere Initiativen, die eine Begegnung zwischen Vergangenheit und Gegenwart des
Malcantone ermöglichen.
In den vergangenen Jahren hat sich das Museum vor allem auf eine Vertiefung der kulturellen Aspekte des Territoriums spezialisiert. Zurzeit ist eine ausführliche Untersuchung über die Architektur
und das Handwerk in der Vergangenheit im Gang, ein Thema, das die Region insofern stark interessiert, als gerade Architekten und Handwerker aud dem Malcantone im Ausland zu grossen Ehren kamen, wie beispielsweise der
Architekt Domenico Trezzini und andere Meister, die vorwiegend im zaristische Russland tätig waren. Diese Untersuchung wird von weiteren Institutionen unterstützt. Das Museum des Malcantone in Curio ist von April bis
Oktober jeweilen am Donnerstag und Sonnatg von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Das Museum des Klosters von Bigorio Die hier zusammentragenen Gegenstände rühren alle von Kapuzinern her, sei es, dass sie im Hause
selbst hergestellt wurden, sei es hinsichtlich ihres Gebrauchs. Als Ganzes sind sie das Ergebnis zweier gegenläufiger Kräfte, die überall die sogenannte materielle Kultur bestimmen: Bewahrung und Erneuerung. Die Bewahrung
ist mit der langen Geschichte des Ortes, der sie hervorbrachte und sich ihrer bediente, verbunden; die Gründung geht auf das Jahr 1535 zurück. Im engeren Sinn ist sie auch mit der Lebensweise verbunden, die hier in
ununterbrochener Folge blühte. Eine frühe Kapuzinergründing (kaum acht Iahre nach der Gründing des Ordens), blieb sie dies ohne Wechsel des Instituts oder irgendeine Unterbrechung dieser Art, denn das Kloster wurde nie
aufgehoben und beherbergte stets nur kapuziner. Die Erneuerung brachte den Verlust nucht weniger Dinge mit sich, von denen man weiss oder annimmt, dass sie existiert haben. Das letzte, dramatische Ereignis, der verheerende
Brand von 1987, verursachte den Verlust alter Gegenstände und Möbel, die man, weil nicht mehr benutzbar, in Abstellräumen untergebracht hatte. Vor diesem Einschnitt führten die zahlreichen Eingriffe in die Bausubstanz, die die
ursprüngliche kleine Einsiedelei in jenes solide Kloster verwandelten, das wir heute sehen, zum Austausch von Mobiliar und Einrichtung. Zu diesen äusseren Ursachen kommen die Veränderungen der Gewohnheiten im Inneren der
Institution. So brachte etwa der Niedergang der Fürsorgetätigkeiten das Ende bisher blühender Unternehmungen mit sich, so etwa von Distillerie und Heilpflanzenherstellung.
Doch auch im kultischen Bereich hat die Erneuerung von Liturgie und Frömmigkeit unweigerlich zur Ausmerzung von Gegenständen geführt, die ihre Funktion verloren hatten. Und selbst wo es nicht zu physischer Ausmerzung kam, droht doch immer die Gefahr des Vergessens, das den Gegenstand für unsere Augen unkenntlich macht. Der nicht mehr gebrauchte Gegenstand wird, weil er seinen evokativen Wert verloren hat, zu toter Materie.
Diese Sammlung will sowohl ein Versuch sein, zu bewahren, was erhalten geblieben ist, als auch dem Wiederaufleben alter Erinnerungen an Lebensweisen dienen, die inzwischen ausser Gebrauch geraten sind, und zwar sowhol auf
dem Gebiet des religiösen Lebens als auch auf dem des täglichen Verhaltens. Die beiden Räume unterscheiden deutlich zwischen diesen beiden Aspekten. Auf der einen Seite sind jene Gegenstände aufgereiht, die an die religiése
Tätigkeit (in der doppelten Gestalt von Liturgie und persönlicher Frömmigkeit) erinnern. Auf der anderen Seite finden sich Zeugnisse der verschiedenen alltäglichen Beschäftigungen der Kapuziner. Eine Ordnung dies, in der sich
die Verpflichtung des „labora“, entsprechend der des „ora“, in kleinen kunsthandwerklichen Tätigkeiten manifestierte. Einige davon waren unerlässlich für eine recht magere Selbstversorgungswirtschaft (Almosensammeln,
Gartenarbeit, Herstellung der Kleidung, Pflege von Keller und Küche), andere waren dazu bestimmt, die freien Stunden mit einer unentgeldlichen Tätigkeit auszufüllen. Sie webten Leinwand, flochten Tragtaschen und Körbe, stellten
tabernakel her (es gibt den Typus des Kapuzinertabernakels, den man in Landkirchen findet). Ferner gab es eine ziemlich intensive Brenntätigkeit (erhalten im traditionellen ratafià), sodann die Herstellung von Arzneimitteln und
selbst die Beschäftigung mit der Heilkunde, begünstigt durch den intensiven Einsatz der Kapuziner während der Pestepidemien (gesichertes Zeugnis dieser ärztlichen Tätigkeit sind die hier ausgestellten Zangen zum Ziehen von
Zähnen). Auf der anderen Seite stehen jene gegenstände, die eine Beziehung zum gebet haben. Als Zeugnis dieser Liturgie ist hier eine schöne Sammlung von Stoffen und Gegenständen in Metall ausgestellt, letztere zeitlich bis
in unser Jahrundert reichend. Zeugen der täglichen religiösen Praxis sind Busswerkezeuge und Rosenkränze, ebenso wie Reliquare und Heiligenbilder. Unter letzteren erreichen einige das Niveau echter Kunstwerke, wie etwa das
grosse mittelalterliche Kruzifix (eine rezente Erwerbung) und der Christus der Grablegung mit beweiglichen Armen, eine rechte Seltenheit. Ein bedeutender Teil dieses Materials befindet sich innerhalb des Klosters, wo es eine
noch lebendige dekorative und religiöse Funktion ausübt. Es ist auch eine überaus interessante Bibliothek vorhanden, in der zahlreiche Bücher (oft mit den namenszügen jener kapuziner, die hier gelebt haben) von eben jener
Lebensweise Zeugnis ablegen, an die das kleine Museum erinnert. Dem Besucher des letzteren wird gewiss die Gemäldesammlung nicht entgehen, die in der Kirche ausgestellt ist (von hohem Niveau in der Madonna des
Hauptaltares), ebensowenig wie die Intarsienarbeiten des Alters selbst, die von Kapuzinern des 18. Jahrunderts angefertig worden sind, das herrliche Antependium aus Leder und die ungewöhnlichen Leuchter aus Holz. So klein
sie auch ist, die Sammlung, die wir zusammengetragen haben, bietet doch einen Querschnitt durch ein oft vergessenes oder gänzlich unbekanntes Leben. Sie wird vervollständigt durch eine reihe von architektonischen Zeichnungen
aus alten Chroniken, soqie persönliche Erinnerungen, die im Archiv des Klosters aufbewahrt werden.
Ausstellungen im alten Kloster Das Kunstmuseum von Mendrisio Das Kunstmuseum von Mendrisio wurde 1982 eröffnet und präsentierte dem
Publikum erstamls eine Reihe von Kunstwerken, die ihm von privaten Sammlern hinterlassen wurden. Es ist im antiken Servitenkloster untergebracht, einem wertvollen mittelalterlichen Gebäude mitten in der Altstadt von Mendrisio.
Ende der siebziger Jahre wurde es teilweise restrukturiert. Heute beherbergt es grosse und helle Ausstellungsräume, die im ersten Stock über einem alten und bestens erhaltenen Klosrehof mit Säulengängen liegen. Die Gemeinde
Mendrisio beabsichtigt, einen weiteren grossen Flügel des Gebäudes nach einem Programm zu restaurieren, das als erstes die Einrichtung des Museums vorsah. In den ersten Jahren nach der Eröffnung wurden die restaurierten
Räume als Pinakothek benutzt, in der die Gemeinde jene Werke zeigte, die ihr von Donatoren hinterlassen worden waren. Gleichzeitig wurden bereits zahlreiche Ausstellungen zeitgenössischer Kunst organisiert, sie weit über das
Tessin hinaus Interesse fanden. Jährlich werden in der Regel zwei Ausstellungen eröffnet, die sich mit grossen Künstlern unseres Jahrunderts befassen. Im Verlauf der Jahre kam das Publikum so in den Genuss von
Ausstellungen bedeutender Meister wie Hans Arp, Paul Klee, Jules Bissier, Mark Tobey, Georges Braque, Emilio Stanzani und andere noch lebender und verstorbener Künstler. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei Künstlern geschenkt,
die während eines Teils ihres Lebens enge Beziehungen zum Tessin unterhielten oder im Tessin wohnten beziehungsweise einen besonderen Einfluss auf das Kulturleben des Tessin ausübten. Das Kunstmuseum von Mendrisio hat sich
auf die Weise spezifischen Aspekten der modernen und zeitgenössischen Kunst zugewandt und einen wichtigen Beitrag zur Kenntnis der kulturellen Wurzeln des Mendrisiotto und des Tessins geleistet. Die Ausstellungstätigkeit wird
ergänzt durch Vorträge über die Kunst im Tessin und in der Lombardei, mit besonderer Berücksichtigung unseres Jahrunderts. Die Öffnungzeiten richten sich nach den jeweiligen Ausstellungen beziehungsweise der Jahrszeit, in
der sie stattfinden. Während der Ausstellungen ist das Museum ausser montags täglich von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Ein Panorama der Tessiner Kunst Die Pinakothek Giovanni Züst in Rancate Südlich des Luganersee, in unmittelbaren Nähe von Mendrisio,
liegt Rancate, ein Tessiner Dorf mit einem architektonisch typisch lombardischen Charakter. Hier steht die kantonale Pinakothek Giovanni Züst, die 1967 dank einer Schenkung des Kunstsammlers Giovanni Züst (Basel 1887, Rancate
1976), der sich auch der etruskischen und griechischen Kunst widmete, eröffnet werden könnte. Die Pinakothek umfasst eine Sammlung von Bildern vom 17. bis 20. Jahrundert von Künstler, die in jenen Gebieten wohnten, die 1803 zum
Kanton Tessin zusammengefasst wurden, beziehungsweise künstlern, die zum Gebiet des heutigen Tessins eine enge Beziehung hatten. Abgesehen von einem Bild des Malers Giuseppe Monti (1836-1876) und zwei Zeichnungen von Alessandro
Ruga (1836-1916), besteht die Pinakothek aus Werken von insgesamt 14 Malern. Die künstlerische Spitze repräsentieren Bilder von Giovanni Serodine (1600-1630) und Giuseppe Antonio Petrini (1677-1758/59), zwei Malern, die zu
ihrer Zeit als erstklassige Künstler galten und heute aus dieser Pinakothek eine Stätte von internationalem Interesse machen. Die Sammlung in bezug auf das 16. und 17. Jahrundert sind die Werke von Vincenzo Angelo Orelli
(1751-1813) sowie die Kopie eines Bildes von Ribera (ursprünglich Pier Francesco Mola zugesprochen), die von einem unbekannten Maler im 18./19. Jahrundert geschaffen wurde. Das 19. und 20. Jahrundert sind mit Werken von Ernesto
Fontana (1837-1918), Adolfo Feragutti Visconti (1850-1924), Luigi Rossi (1853-1923), Pietro Anastasio (1859-1913), Gioachino Galbusera (1870-1944) und Ugo Cleis (1903-1976) vertreten. Die Pinacoteca Züst von Rancate
(ausführlich beschrieben im Katalog von Jean Soldini, edizioni Casagrande, Bellinzona) beherbergt von Zeit zu Zeit auch Ausstellungen einzelner Künstler, wie es beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Museo di Villa dei Cedri
in Bellinzona für Adolfo Feragutti Visconti der Fall war. Die Pinakothek ist vom 1. Marz bis 30. November ausser montags täglich von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Ausnahmen: Im Juli und August ist sie
von 14 bis 20 Uhr geöffnet.
Die Räume und Werke eines grossen Bildhauser Das Museum Vincenzo Vela in Ligornetto Ligornetto ist ein kleines, schmuckes und
guterhaltenes ehemaliges Bauerndorf in der Ebene des Mendrisiotto. Von Mendrisio ist es per Auto in 10, von Lugano oder Varese aus in 30 Minuten erreichbar. Das Dorf blickt auf eine ruhmreiche künstlerische Vergangenheit
zurück, vor allem in bezug auf seine Architekten und Bildhauer. Die Denkmäler, Kirchen und Palazzi – viele davon sehr gut erhalten – legen davon beredtes Zeugnis ab. Noch mehr aber tun dies die Baumeister-Künstler, die
ausserhalb ihres Dorfes, in fremdes Ländern und Städten, berühmt wurden und zum Teil als reiche Leute in die Heimat zurückkehrten. Das schönste Bauwerk von Ligornetto ist zweifellos die Pfarreikirche San Lorenzo, die bereits
1209 erwähnt wurde; die einschiffige Kirche mit einem quadratischen Chor mit Kuppelstammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrunderts. Von grossem kulturellem Interesse ist aber das MuseoVela, das in der Villa untergebracht ist,
die der Bildhauer Vincenzo Vela (1820-1891) einer der berühmtesten Bildhauer des 18. Jahrunderts, bauen liess. Als Künstler mit einer starken Persönlichkeit wurde er sehr schnell vor allem in Italien geschätzt, wo er sich aktiv
im Risorgimento engagierte. Sein „Spartaco“, entworfen 1847 in Rom und drei Jahre später in Marmor gehauen, legt davon Zeugnis ab. Diese Figur des Gladiatoren war eine eindeutig Stellungnahme für die Sache der Unabhängigkeit.
Während längerer Zeit war Vela Dozent für Bildhauerei an der Accademia Albertina in Turin, wo er eine grosse Anzahl Werke schuf, die man heute als Begegnung zwischen Verismus und Idealismus in der Bildhauerei klassifiziert. Ein
Beispiel dafür ist der berühmte „sterbende Napoleon“, der sich in Schloss Versailles befindet. Im Museum von Ligornetto werden eine grosse Anzahl von Entwürfen und Zeichnungen sowie Tonmodelle und Gipsabgüsse der meisten
seiner Werke gezeigt, deren Originale sich weit verstreut in der Schweiz und im Ausland befinden. Die grossen Räume und die prächtige Lage der Villa auf einem kleinen Hügel geben dem Museum einen herrschaftlichen Austrich. Im
Gebäude werden zahlreiche Zeugnisse aus dem Leben des Künstlers und auch seine Wohnungseinrichtung aufbewahrt. Zudem sind Aquarelle und Zeichnungen von lombardischen und piemontesischen Künstlern ausgestellt, die zum
Freundeskreis Velas gehörten. Zahlreich sind auch Marmorskulpturen, Tonmodelle und Gipsabgüsse von Lorenzo Vela, dem Bruder des Meisters; ebenso Ölbilder, Keramiken und Stiche seines Sohnes Spartaco. Dieser war es denn auch,
der 1895 in seinem Testament die Villa seines Vaters mitsamt dem Ihnalt der Eidgenossenschaft hinterliess, auf dass dort ein Museum oder eine Bildhauerschule entstünde. Das Museo Vela ist von März bis Mitte November
aussermontags täglich von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist gratis.
Zeichen und Traditionen der ruralen Vergangenheit Das Museum der bäuerlichen Zivilisation in Stabio Die Region Mendrisiotto liegt 15
km südlich von Lugano. In der Vergangenheit war es eine fast ausschliesslich rurale Gegend, die auch heute noch einige typische und intakte ländliche Winkel aufweist. Trotz Industrialisierung und Modernisierung konnte eine
ganze Anzahl von Verbindungen, auch architektonisch-urbanistischer Art, zur Vergangenheit aufrechterhalten und handwerkliche Aktivitäten. In der Absicht, diese Identität nicht zu verlieren und ihre Zeugnisse zu erhalten,
wurde in Stabio das Museum der bäuerlichen Zivilisation gegründet. Hauptziel des Museums ist es, die lebendigen und konkreten Zeugnisse dieser Zivilisation zu dokumentieren. Zu diesem Zweck wurden Erlebnisräume geschaffen, in
denen dem Publikum die entsprechenden Gegenstände und Werkzeuge vorgeführt werden. Der Besucher begegnet also Wagen, Karren und anderen Transportmitteln; Fallen und Fangeisen; Geschirr für die Tiere; Spaten, Schaufeln, Rechen,
Gabeln, Pickeln – einer kompletten Sammlung von Werkzeugen, wie sie in der Landwirtschaft dieser Region Verwendung fanden. In letzter Zeit konnte die Sammlung vervollständigt werden, so dass das Museum heute als gelungener
Ausdruck nicht nur der Arbeitsweise, sondern auch der Sitten und Bräuche dieser Region betrachtet werden kann. Obwohl der Bezug auf die Landwirtschaft eine Konstante des Museum ist, enthält es auch spezifische Abteilungen
wie zum Beispiel eine Sammlung von Schmetterlingen, Insekten und Schädlingen. Beachtung finden auch andere Zeugnisse über den Alltag in dieser ruralen Gesellschaft – Traditionen, Religiosität und andere Aspekte des
gemeinschaftlichen Lebens. Eine auf regionale Phänomene spezialisierte Bibliothek mit Dokumenten, veröffentlichten und unveröffentlichten Schriften, Fotografien, geographischen Karten, Audio – und Videoaufnahmen
vervollständigen das Bild der bäuerlichen Zivilisation. Mit diesem vielseitigen Angebot ist das Museum der bäuerlichen Zivilisation von Stabio zu einem der interessantesten dieser Art südlich der Alpen und gleichzeitig ein
Forschung- und Dokumentationszentrum geworden. Stabio befindet sich im südlichsten Zipfel des Tessin, unmittelbar an der Grenze zu Italien, per Auto etwa 10 Minuten von Mendrisio und 30 Minuten von Lugano oder Varese
entfernt. Das Museum ist am Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag jeweilen von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Vom See ins Schmugglernest Das Zollmuseum von Lugano (Cantine di Gandria) Der Schmuggel und die Schmuggler haben schon immer
eine besondere Anziehungskraft auf die braven Bürger ausgeübt. Aber nicht nur sie, auch Historiker, Volks- und Wirtschaftskundler befassen sich damit, denn der Schmuggel hat in armen Gegenden über Jahrzehnte hinweg vielen
Leuten geholfen, in schwierigen Zeiten über die Runden zu kommen. Es ist deshalb richtig, dass diesem Phänomen ein Museum gewidmet wurde, in Erinnerung an Zeiten und Lebensbedingungen, an Gefahren, Mühsal und auch
Erfindergeist, welche die Tessiner Gesellschaft während hundert Jahren bis unsere siebziger Jahre beschäftigt haben. Das Gebäude, das dieses Schweizerische Zollmuseum beherbergt, liegt am gegenüberliegenden Seeufer von
Lugano, bei den sogenannten Cantine di Gandria, und ist mit einer kurzen und schönen Schiffahrt erreichbar. Das erste Zollhaus in der Region Lugano war 1856 gebaut worden und ist noch heute als „La casa rossa“ – das rote Haus –
bekannt. Das Museumsgebäude hingegen entstand 1904 als Zollposten, von dem aus der Schmuggel bekämpft wurde. 1935 wurde dieser Posten zum Museum, das später renoviert und 1978 dem Publikum geöffnet wurde. Die ausführliche
Renovation wurde unter Anleitung des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich durchgeführt. Es liegt direkt am Seeufer, an der Grenze zwischen Italien und der Schweiz in einem unwegsamen Gebiet mitten in einer üppigen
Vegetation. Es ist nur per Schiff oder zu Fuss erreichbar. Auf drei Stockwerken wird dort mit einer umfangreichen Sammlung die Blütezeit des Schmuggels wieder heraufbeschworen. Im Parterre wurde der alte Zollposten
rekonstruiert, so, wie er anno 1904 ausgesehen hat. Man sieht den Aufenthaltsraum und die Unterkünfte der Zöllner sowie die Figur eines Schmugglers, der von zwei Zöllnern in Handschellen abgeführt wird. Hier sind auch
verschiedene Zolldokumente, ein Kontrollbuch, alte Münzen, Waagen und Messinstrumente zu sehen. Im ersten Stock wird die Geschichte der eidgenössischen Zollverwaltung von ihren Anfängen bis zum heutigen Tag dargestellt; ein
Denkmal erinnert an die Zöllner, die in Ausübung ihrer Pflicht ums Leben kamen. Im zweiten Stock finden wir eine Sammlung von Waffen aus Italien, Frankreich, Grossbritannien und den Vereinigten Staaten, die Partisanen,
Flüchtlingen und Ausbrechern im Moment abgenommen wurden, als sie versuchten, illegal die Schweizer Grenze zu überqueren. Zu diesem Arsenal gesellt sich eine grosse Anzahl von kuriosen Instrumenten und Apparaten, die von
Schmugglern und Wilddieben
benützt wurden. Eine Dokumentation zeigt die raffinierte Tricks, mit denen versucht wurde, die Zollgesetze zu umgehen. Prunkstück ist ein motorisiertes kleines Unterseeboot Marke Eigenbau, das von einem Schmuggler gesteuert wurde, dessen Kopf aus dem Wasser ragte. Als man ihn erwischte, hatte er eine Tonne Salami geladen…
Das Zollmuseum ist von April bis Oktober von 13.30 bis 17.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Ein Freilichtmuseum, das vom Wildbach gegraben wurde Im Parco del Breggia von Castel San Pietro Das Tal des Breggiaflusses ist das
Resultat der Jahrtausende dauernden Erosion- und Aufschüttungstätigkeit des gleichnamigen Wildbaches. Die Folgen sind vor allem im letzten Abschnitt zu beobachten, bevor der Bach in die sogenannte Piana della Polenta mündet.
Genau an dieser Stelle, auf dem Gemeindegebiet von Castel San Pietro, wurde der Parco Breggia angelegt, der heute von einer Stiftung betreut wird. Die kleinen Schluchten, Tümpel, Wasserfälle, Auswaschungen und die Vegetation
verleihen dem Verlauf des Wildbachs eine fast magische Atmosphäre. Erst in den letzten Jahren wurde die Notwendigkeit verspürt, diese Zone zu schützen und aufzuwerten, um eine Landschaft zu erhalten, die ihresgleichen südlich
der Alpen sucht. Im Verlauf der Geschichte hat dieser Wilbach viel zur heutigen Beschaffenheit des Territoriums beigetragen. Wir können heute die Tätigkeit des Wasserlaufs optisch betrachten wie in einem Museum, das die Natur
eingerichtet hat. Dem Bachverlauf entlang hat der Breggia Felsen zerschnitten und abgetragen, die sich auf dem Grund des in der Kreidezeit vor 80 Milionen Jahren entstandenen sogenannten Tethys-Meeres gebildet hatten.
Untersuchungen haben fossile Fische, Meersterne und Pflanzen in grosser Menge zu Tage gefördert. Diese Untersuchungen und auch die vom Wildbach freigelegten geologischen Schichten ermöglichten auch Rückschlüsse auf klimatische
und morphologische Daten verschiedener geologischer Epochen. An dieser Stelle konnte eine natürliche Situation wissenschaftlich optimal ausgenützt werden. Der Besucher erfährt viel Wissenswertes sowohl über diesen Flecken Erde
als auch über geologische Abläufe, wie sie in vergleichbaren Gebieten der Voralpen anzutreffen wären. Aus diesem Blickwinkel ist der Parco del Breggia sozusagen ein wissenschafliches „work in progress“. Die Stiftung befasst
sich mit dem Studium und der Katalogisierung der Forschungsergebnisse und kann dabei die Mithilfe von Studenten, Volontären und Spezialisten in Anspruch nehmen. Seit einigen Jahren sind nun mehrere Projekte in Arbeit, um die
bisher erforschten Daten auf einem Gebiet zu vervollständigen, das zu den naturhistorisch interessantesten gehört. Neben dem wissenschaftlichen Interesse bietet der Parco del Breggia aber auch eine reiche und vielfältige
Fauna und Flora. Ein Ausflug dorthin, mitten in eine wilde und unberührte Natur, ist ein Erlebnis von besonderer Faszination. So sehr, dass der berühmte Schriftsteller Hermann Hesse diese Landschaft zum Vorbild für das Ambiente
in seiner „Morgenlandfahrt“ nahm.
Freilichtskulpturen zwischen Gärten und See Eine Sammlung von Werken international berühmter Künstler Auf der herrlichen Seepromenade,
die von Lugano nach Paradiso führt, treffen wir auf den Giardino Belvedere, eine harmonische Mischung von Natur und Kultur. Die Spazierwege und die kultivierten Grünflächen spiegeln sich im See, und von hier aus streift der
Blick in Richtung Castagnola – Monte Bré, Villa Favorita – über ein Panorama von seltener Pracht und Faszination. Da und dort in diesem 11'000 Quadratmeter grossen Garten erhebt sich ein jahrundertealter Baum subtropischer
Herkunft, dessen botanischer Name auf einer Tafel angeführt ist. Dazwischen andere Bäume, Sträucher und Pflanzen, Palmen, Kamelien, Oleander, Rhododendren, Oliven, Magnolien und Rosen. Der hohe Kulturwert dieser Anlage ruht
nicht nur im schönen Panorama der Bucht, in den gemütlichen Ruhebänken, der Lebensfreude und der Möglichkeit zu Meditation – zu diesem Wert trägt auch eine Reihe von zeitgenössischen und modernen Skulpturen bei. In
Wircklichkeit handelt es sich um eine permanente Ausstellung von Skulpturen, mit deren Aufbau im Jahre 1977 begonnen wurde und die den Namen „Sculture nella città“ trägt. In jenem Jahr erwarb die Stadt Lugano sieben Werke von
international renommierten Künstlern wie Ossip Zadkine, Jean Arp, Katharine Gili und Werke von den Tessiner Bildhauern Nag Arnoldi, Giovanni Genucchi, Pierino Selmoni und Piero Travaglini. Bei diesen Skulpturen handelt es
sich um die Grundsubtanz der Ausstellung, die sich im Verlauf der Jahre zu einer eigentlichen Sammlung ausweitete. Die Absicht war und ist, die Stadt mit Werken grosser Bildhauer zu verschönern und ihnen auch Arbeiten von
Tessiner Künstlern beizugesellen, die sich durch die Originalität ihrer Suche nach neuen Formen auszeichnen. So finden wir neben Skulpturen von Max Bill, Markus Antocholski, Serge Brignoni, Francesco Messina, Arnaldo und Giò
Pomodoro oder eines grossen Meisters des 19. Jahrunderts wie Vincenzo Vela auch Arbeiten von Nena Airoldi, Milo Cleis, Carlo Cotti, Bruno Morenzoni und Remo Rossi – ein zwar gerafftes, aber glaubwürdiges Panorama
bildhauerischen Schaffens der letzen Jahrzehnte im Tessin. Und so schliesst sich ein künstlerischer Parcours von bedeutsamer Kontinuität: nur wenige Meter vom Giardino Belvedere entfernt findet sich nämlich die Villa
Malpensata, das Museum, in dem die Stadt Lugano ihre grossen Ausstellungen moderner Kunst veranstaltet. Eine weitere Anzahl Freilichtskulpturen – vor allem aus dem 19. Jahrundert – findet sich längs der Spazierwege im Parco
Ciani. Weiter dem Ufer entlang in Richtung Castagnola gelangt man zur Villa Favorita, einem der grossen Tempel moderner Kunst in Europa, und noch weiter dem Ufer entlang zur Villa Heleneum, dem Sitz des Museums für
aussereuropäische Kulturen.
Auf der Collina d’Oro wo Hermann Hesse lebte Die Collina d’Oro – der Goldhügel – thront über dem Golf von Lugano und bildet einen
Mikrokosmos, bestehend aus Geschichte, Kultur und bezaubernden Landschaften. Ein idealer Flecken Erde auch für Wanderungen durch Wälder und Dörfer. Von der Cappella di Viglio bei der haltestelle der Lugano-Ponte-Tresa-Bahn aus
kann man zu Fuss nach Agra gelangen. Regelmässige Postautokurse ermöglichen ebenfalls, sich auf der Collina d’Oro zu bewegen; wer aber diese Landschaft erleben will, sollte sie auf Schusters Rappen erobern. Die Wanderwege sind
gut markiert, und die kleine Ausflugkarte von Lugano zeigt die verschiedenen interessanten Wegstrecken auf, die unterwegs auch Zwischenhalte in den Grotti von Gentilino, Montagnola oder Posmonte erlauben. Der Name dieser
Hügelkette ist nicht darauf zurückzuführen, dass dort Gold gefunden wurde. Der Goldhügel trägt seinen Namen wegen der berühmten Persönlichkeiten, die dort entweder geboren wurden oder einen Teil ihres Lebens verbrachten. Unter
ihnen Baumeister, die in vergangenen Jahrunderten emigrierten und in ganz Europa, vorwiegend aber in Russland, die Spuren ihres Könens hinterliessen. So finden wir auf der Strasse, die von Montagnola nach Agra führt, das
Geburtshaus
des Domenico Gilardi, der nach dem Grossbrand von Moskau anno 1812 vom Zaren den Auftrag erhielt, die Stadt wieder aufzubauen. In Arasio, einem Weiler von Montagnola, kam Pasquale Lucchini zur Welt, ein bedeutender Tiefbauingenieur des 19. Jahrunderts. Er baute unter anderem den Damm von Melide sowie die Eisebahnkehrtunnels Piottino und Biaschina an der Gotthardstrecke. Die Gemeinde Gentilino hat seiner Tätigkeit ein kleines Museum gewidmet.
In der ganzen Welt bekannt wurde die Collina d’Oro wegen Hermann Hesse, eines der bedeutendsten Schriftsteller dieses Jahrunderts. Der Nobelpreisträger für Literatur wohnte während Jahrzehnten in Montagnola. Viele Seiten
seiner Romane befassen sich mit dieser Gegend. In Montagnola erinnert eine Stele an den Dichter, die anlässlich seines hundertsten Geburtstages erstellt wurde. Hermann Hesse ruht im Friedhof von Gentilino, in der Nähe des
Grabes von Domenico Gilardi. Im gleichen Friedhof steht auch ein Denkmal des Bildhauers Vincenzo Vela für den Architekten Pietro Boffa, der ebenfalls im zaristischen Russland tätig war. Der von Zypressen flankierte
Friedhofsweg führt zum Aussichspunkt auf dem Vorplatz der Kirche im Tessin, der im 19. Jahrundert gabut wurde. Im Innern der Kirche, die mit barocken Stukkaturen der Camuzzi von Montagnola gescmückt ist, sind zwei Bilder von
Giuseppe Petrini zu bewundern. Agra, das höchstgelegene Dorf der Collina d’Oro, hält den Schweizer Rekord als Ort mit den meisten Sonnenscheinstunden pro Jahr. In einem nahegelegenen Wald wurde ein Vita-Parcours angelegt, der
durch Buchen- und kastanienwälder und auch zu einigen alten Roccoli (Vogelfängerhäuschen) führt. Eine ausführliche Brochüre, verfasst von Mario Agliati und Mario Redaelli, vermittelt, wie der Titel verspricht, „Geschichte und
Geschichten“ der Collina d’Oro
Text mit freundlicher Genehmigung vom Ente Turistico Lugano
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