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Quer durch die Region Luganersee Ein bunter Strauss Geschichte und Kuriositäten
Die Region Luganersee war ursprünglich gespickt mit einer ganzen Reihe von
Burgen und Festungen. Zu den berühmtesten gehörte die Burg von Capolago, die bereits 1372 aufgeführt wird und während des Baus der Gotthardbahn geschleift wurde; bekannt ist auch jene von Melano, die den
mittleren Seeabschnitt beherrschte, und jene von Lugano, die von Ludovico il Moro erbaut und im Mittelalter zerstört wurde; eine weitere war San Michele in Cassarate
, dort, wo sich heute der gleichnamige terrassierte Garten befindet; in Sonvico stand ein Burg, von der aus der Monte -Ceneri -Pass kontrolliert wurde. Weitere Burgen standen in Gravesano sowie in Sessa
und Arosio im Malcantone, eine in Sala Capriasca, die von den Innerschweizern anno 1478 geschleift wurde, weitere in Torricella-Taverne und Isone. Letztere diente
der Kontrolle des Weges von Lugano über den Passo del Tiglio. Zu den berühmtestens Burgen gehörte jene von Morcote aus dem Jahr 1100, von der Überreste erhalten blieben und die vom Monte Arbostora aus den westlichen
Teil des Luganersees kontrollierte, sowie jene von Capo San Martino in Paradiso, die während der Kämpfe zwischen den Stadtstaaten Como und Mailand zerstört wurde. Die Bischöfe von Como pflegten oft nach Agno
zu reisen, um dort im berühmten Fischweiher zu fischen und in den Wäldern zwischen Hügeln und Seeufer zu jagen. Diese Möglichkeit wurde ihnen in einer Akte aus dem
14. Jahrundert eingeräumt, in der auch der Reichtum an Fischen und Vögeln in diesem Gebiet besungen wird. Am 27. August 1848, per Schiff von Brusimpiano nach Agno fahrend, landete am Seeufer Giuseppe
Garibaldi nach der für ihn unglücklich verlaufenen Schlacht von Morazzone bei Varese. Der Monte Sassalto über der Bucht von Caslano ist wegen seiner reichen Voralpenflora berühmt. Der
Botaniker Mario Jäggli hat diese Flora ausgiebig studiert und die Resultate in einer Brochüre mit dem Titel „La vegetazione del monte di Caslano“ publiziert. Der Sassalto wurde in die Liste der geschützen Naturdenkmäler
von nationalem Interesse aufgenommen. Von Miglieglia gelangt man mit einer Sesselbahn, die 1952 gebaut wurde und 2673 Meter lang ist, auf den
Monte Lema (1690 m). Auf dem Gipfel steht ein monumentales, zehn Meter hohes Kreuz, das 1934 dort aufgestellt wurde. Astano
ist der Heimatort des 1670 geborenen Architekten Domenico Trezzini, der von Zar Peter dem Grossen beauftragt wurde, Sankt Petersburg zu bauen. Er baute die Stadt in westlich-barockem Stil, übernahm aber
einige fundamentale Stilelemente der russischen Bautradition. In der Nacht des18. Januars im jahr 1478 brach in Miglieglia im Malcantone eine Feuersbrunst aus, die von 40 Häusern nur deren zwei übrigliess.
Der botanische Garten des Kurhauses von Cademario beherbergt eine der wertvollsten Kaktussammlungen Europas. Ponte Tresa
, an der Grenze zu Italien am gleichnamigen Fluss, ist mit 0,28 Quadratkilometern Fläche die kleinste Gemeinde der Schweiz. Bei der Brücke von Aranno, auf dem Gemeindegebiet von Novaggio
, war in den Jahren 1857 bis 1859 eine Silber- und Goldmine in Betrieb. Während des ersten Weltkrieges wurde die Ausbeutung wieder aufgenommen, und es existieren auch Pläne, um den Bergbau wieder zu aktivieren.
Der Beruf des Brenners, der das Brennen von Dachziegeln und Backsteinen besorgt, war früher dank der grossen Lehmvorkommen stark verbreitet. Viele Arbeiter aus der Region Lugano zogen als Brenner nach
Norditalien bis in die Poebene hinunter. Noch heute existiert in einem Weiler der Provinz Brescia die Brennofenfabrik Delmenico, die im vergangenen Jahrundert von einem Emigranten aus Novaggio gegründet worden war.
Die Wasserkraft ist seit der Antike als Energiequellebekannt, und die Wassermühle ist vermutlich eine der bekanntesten Anwendungen. Eine wichtige wasserbetriebene Hammerschmiede existierte in Aranno. Ihre
Überreste wuren inzwischen erfolgreich restauriert. Sechs romanische Sarkophage bilden die Brunnen und Tränken von Rovio. In diesem Dorf finden sich auch
Häuser, deren Fassaden mit Fresken aus dem 17. Jahrundert verziert sind. In Rivera steht auch heute noch das Haus der Landvögte. Es handelt sich um ein altes Gasthaus mit
Stallungen aus dem 15. und 16. Jahrundert. Die Räume sind mit Kassettendecken und Überresten von Fresken aus dem 16. und 17. Jahrundert geschmuckt.
Basreliefs, auf denen die Madonna mit Kind zu sehen ist, finden sich an den Häusern der Familien Frigerio und Caccia in Maroggia. Sie bestehen aus dunklem Gestein und stammen aus dem 15. Jahrundert. Man vermutet,
dass sie von den Rodari geschaffen wurden, Künstlern aus Maroggia, die auch am Dom von Como arbeiteten. In Cureglia steht noch das Haus der Kunstmaler Tarilli, die in der Region Lugano und Como tätig waren.
Diverse Fresken sind erhalten geblieben. Zwei davon sind mit 1558 und 1612 datiert, und ein steinernes Kamin trägt ein Ornament mit Inschrift „Ioannes Tar.1557“.
Vor rund vierzig Jahren wurde bei Feldarbeiten in der Nähe der Kirche von Bironico ein Taufbecken ausgegraben. Man hält für möglich, dass es sich dabei um den alten Taufbrunnen des Sprengels handelt, zu
dem ab anno 1100 für mehrere Jahrunderte die Pfarreien von Sigirino, Mezzovico, Vira, Camignolo, Rivera, Robasacco, Medeglia und Isone gehörten. In Arogno
ist ein Platz dem Adamo von Arogno gewidmet, einem Künstler, der im 13. Jahrundert am Dom von Trento arbeitete. An diesem Platz stehen Häuser aus dem 16. und 17. Jahrundert. Besonders interessant
ist das mit Stukkaturen, Reliefs, Büsten und Fresken verzierte Haus Cometta. Am Corso Pestalozzi in Lugano hat das öffentliche Lokal „La Piccionaia“ während Jahren als Diskothek
herhalten müssen. Es handelt sich um ein seltenes Beispiel der Bauweise des 15. Jahrunderts mit backsteinkanten, bemalten Ornamenten und Girlanden. In der Vergangenheit war dieses Haus auch Teil einer
Seidenspinnerei, später einer Steinmühle.
Auch in der Region Luganersee erfreuten sich die Grotti und Weinkeller grosser Beliebtheit. Es handelt sich um
Lokalitäten, die der Aufbewahrung von Milchprodukten und Wein dienten, gleichzeitig aber auch als kühler Aufenthaltsort an heissen Tagen. Auch heute noch locken die Grotti zur Sommerzeit zur Erholung und zum
gastronomischen Genuss. Auf der Strasse, die von Morbio Superiore nach Caneggio führt, befindet sich ein Brunnen, der teilweise
aus dem ungekehrten Deckel eines Sarkophags besteht. Auf Grund der Inschrift „D. et perpetuae felicitati M“. nimmt man an, dass es sich um eine romanische Kostbarkeit handelt. In Besazio
findet sich auf dem Kirchhof ein antikes Taufbecken, das ursprünglich ein römischer Sarkophag war. Heute dient er als Brunnen.
Das Mendrisiotto wurde auch schon poetisch als „Toskana der Schweiz“ bezeichnet. Es verdankt diese Bezeichnung der
hügeligen Landschaft, den Dörfen mit typisch italienischem Charakter, die sich übers offene Land erstrecken, und seinen Weinbergen, auf denen der renommierte Tessiner Merlotwein wächst. In Bedano
in der Valle del Vedeggio erinnert eine Tafel an den Durchmarsch der russischen Armee unter General Suworow im Jahre 1799. Auf den Alpenweiden des Mendrisiotto finden sich noch die sogenannten „nevere“, zylindrische
Steinkonstruktionen – in der Regel in kühlen Waldpartien erreichtet - , die man mit Schnee und Eis füllte, um dort Esswaren, vorwiegend Milchprodukte, kühl zu halten. Die „nevere“ waren gewissermasser die
Kühlschränke unserer Vorfahren.
Strassen, Züge, Seilbahnen und Schiffe – oder auf Schusters Rappen Ein dichtes Netz von Wanderwegen und Transportverbindungen
Die Region Luganersee, obwohl letztlich eine Einheit, besteht aus sehr verschiedenen Landschaften und
Subregionen, die sich durch Geschichte und Traditionen unterscheiden. Der Luganersee und einige weitere kleine Seen, die sozusagen als Erbschaft nach dem Rückzug der Gletscher zurückblieben, sorgen für ein
mildes Klima auch im Winter, mit viel Sonne und kaum je Nebel sowie genügend Niederschlägen, die sich auf relativ wenige Tage im Jahr beschränken.
Das Klima begünstig auch eine üppige und interessante Vegetation: neben den mediterranen Pflanzen findet sich auch die typische Alpenflora. Auf den in der Eiszeit von Gletschern abgeschliffenen Hügeln entstanden
Dörfer traditionell lombardischen Charakters mit engen Gassen, die vom Kirchhof abzweigen. Diese Dörfer sind urbanistisch immer so konzipiert, dass sie sich perfekt in die Landschafte eingliedern und diese respektieren.
Die ganze Region ist durch ein dichtes Netz von gut markierten Fusswegen verbunden. Bei den lokalen Verkehrsvereinen kann man sich detaillierte geographische Karten beschaffen, auf denen sie eingezeichnet sind.
Es gehört zu den Besonderheiten der Region Luganersee, dass sie nicht nur ein ausgedehntes Netz von Wanderwegen aufweist, sondern auch über zahlreiche öffentliche Verkehrsmittel (auf der Strasse, auf der
Schiene, in der Luft und auf dem Wasser) verfügt, die sämtliche Ortschaften miteinander verbinden und Ausflüge und Rundfahrten nach Lust und Laune ermöglichen.
Alle Teile der städtischen Agglomeration Lugano sind durch die Buslinien der städtischen Verkehrsbetriebe ACT verbunden.
Dazu gehört auch die stark frequentierte Standseilbahn vom Bahnhof Lugano ins Stadtzentrum. Erwähnenswert – obwohl zurzeit nicht in Betrieb – ist auch die pirroreske historische Funicolare degli Angioli.
Den Monte Bré erreicht man von Cassarate aus entweder mit der Drahtseilbahn oder per Autobus, während der Gipfel des Monte San Salvatore von Paradiso aus mit einer steilen Drahtseilbahn
erreicht werden kann, die 1991 ihr hundertjähriges Bestehen feierte. Das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel verknüpft auch andere Punkte der Region. So führen beispielsweise Postautos auf den
Monte Arbostora und auf die Collina d’Oro. Die Capriasca und die Val Colla sind von Lugano aus mit
Postautolinien, aber auch mit Autobussen der ARL (Autolinee Regionali Luganesi) erreichbar, welch letztere die Dörfer Cadro, Dino und Sonvico bedienen. Für einen Ausflug ins Malcantone
oder in die Valle del Vedeggio stehen Postautos sowie die Lugano-Ponte Tresa-Bahn im Einsatz. In diesen beiden Subregionen seien auch die beiden Seilbahnen nicht vergessen, die
auf den Monte Lema und auf den Monte Tamaro führen; erstere ist ein Sessellift, die zweite eine Kabinenseilbahn. Beiden führen zu prächtigen Ausblickspunkten, von denen aus sich auch ausgedehnte
Wanderungen unternehmen lassen. Im Winter dienen beide Bahnen den Skifahrern. Den Norden und Süden der Region Luganersee verbindet die SBB-Linie von Rivera nach Chiasso
mitzahlreichen Stationen, die von Lokalzügen bedient werden. Von der Station Capolago aus gibt es die möglichkeit, mit der Zahnradbahn auf den Gipfel des Monte Generoso (1700 m) zu fahren. Auch im Mendrisiotto
bieten die Postautos ausgezeichnete Ausflugsmöglichkeiten, zum Beispiel ins Muggiotal. Einen Ausflug auf den Monte San Giorgio kann man auch in Brusino beginnen, indem man mit der Seilbahn nach Serpiano
hinauffährt. Ausflüge über den see bietet die Schiffahrtsgesellschaft des Luganersees (Società di navigazione), die mit Kursschiffen alle Uferdörfer anfährt. Sie organisiert zudem Kreuzfahrten (auch nächtliche) mit
Restaurationsbetrieb und Musik. So bleibt schliesslich nur die Qual der Wahl; wichtig beim Entscheid ist eine gute Dokumentation der
Ausflugsmöglichkeiten und entsprechende Fahrpläne. Man kann sie bei den Verkehrsvereinen Anfordern, die auch ein interessantes Regionalabonement (in zwei Varianten) mit unbeschränkten Fahrten oder reduzierten
Preisen auf den öffentlichen Verkehrsmitteln der Region anbieten.
Traditionen und kulturelle Veranstaltungen Von der Kunst zur Musik – auf hohem Niveau
Das Gemeinschaftsleben der Bevölkerung in der Region des
Luganersees ist auch heute noch weitgehend von der Geschichte des zivilen und religiösen Lebens, der geographischen Lage, der Kultur und wirtschaftlichen Entwicklung bestimmt. Der Charakter
der Menschen ist typisch lateinisch, das heisst offen, gastfreundlich, dem Dialog und der Kommunikation zugeneigt. Daraus leitet sich eine gewisse Lebenslust ab, die sich besonders
auf öffentlichen Begegnungsstätten beobachten lässt: auf den typisch lombardischen Plätzen, vor allem auf der Piazza Riforma in Lugano, in den Quartieren, Grotti und Wirtschaften, auf den
Kirchhöfen, an den Seeufern und in den modernen Kongresshäusern. Unter diesen Voraussetzungen hat die Region übers ganze Jahr eine intensive Aktivität entwickelt mit einigen besonders herausstechenden Momenten.
Zu diesen gehören auch antike Traditionen wie beispielsweise die historischen Osterprozessionen von Mendrisio am Gründonnerstag und am Karfreitag, die Maggiolata (Mailiedersingen) im Malcantone,
das Winzerfest in Lugano, zahlreiche religiöse Dorffeste wie San Martino in Mendrisio oder San Provino in Agno. „Lugano in festa“ seinerseits bietet unter anderem Feuerwerke an den
Seeufern. Auf dem kommerziellen Sektor haben sich in jüngster Zeit vor allem die Austellungen Artecasa, Primexpo und Esposauto in Lugano durchgesetzt, die Jahr für Jahr Tausende von Besuchern auch aus der
nördlichen Schweiz und aus Italien anlocken. Zunehmend wichtig ist auch die kulturelle Aktivität. Die Eröffnung von Museen und Pinakotheken, auch in
kleineren Ortschaften, hat zu einer regen Austellungstätigkeit mit internationalem Echo auf dem Gebiet der Kunst geführt; dazu kommen Austellungen über Brauchtum und traditionelles Handwerk. Bedeutend ist auch
die Konzerttätigkeit, die sich um die symphonischen Konzerte de Radiotelevisione und die Frühlingskonzerte von Lugano rankt, mit der wichtigen Unterstützung durch das Orchester der italienische Schweiz. Dazu
gesellen sich zahlreiche Konzertzyklen auf lokaler Ebene, so in Castagnola, Breganzona, Tesserete, Aranno, Melide
und in anderen Ufergemeinden. In bezug auf bildende Kunst und Musik bietet die Region eine ganze Reihe von Veranstaltungen höchster Qualität. Lockt Maler, Bildhauer, Dirigenten, Orchester und
international berühmte Solisten an. Auch die moderne Musik hat ihre Veranstaltungen: Rock- und Pop-, vor allem Jazz- und Blues-Konzerte. So beispielsweise am Estival Jazz, am New Folk Worldmusic und am Blues to
Bop in Lugano während der Sommermonate, mit vorwiegend amerikanischen Formationen. All diese Aktivitäten haben aus der Region Luganersee einen kulturellen Bezugspunkt gemacht, der weit über
die Grenzen des Gebietes hinauswirkt. Sowohl die kulturellen Ereignisse wie die anderen Veranstaltungen verteilen sich über das ganze Jahr hinweg.
Tradition und Innovation in der Küche Gerichte und Weine von höchster Qualität
Die Tatsache, dass es im Tessin des guten Essens mit einer Gastronomie, die höchste Qualitäten erreicht, keine typische Tessiner Küche gibt, scheint ein Widersinn zu sein. Und doch ist
es so, dass eine der Hauptattraktionen der Tessiner Gastronomie darin besteht, dass sie im Verlauf der Zeiten raffinierter wurde und sich dadurch entwickelte,dass sie die besten gastronomischen
Impulse sowohl aus dem Norden wie aus dem Süden aufnahm. Die Region Luganersee – und letzlich das ganze Tessin – war immer Berührungspunkt zwischen diesen beiden Welten. Deshalb
vollzog sich auch in der Gastronomie die Begegnung der italienischen Küche mit jener des Nordens, zwischen piemontesischer, lombardischer und mediterraner Küche und den nordalpinen Spezialitäten, ohne dabei die Leckerbissen der
französischen Küche zu vernachlässigen. Trotzdem hat sich aber die Tessiner Küche jene Echtheit und Einfachheit bewahren können, die schon immer das Wesen der
VolksKüche ausmachte: die Verwendung von Frischprodukten aus der Region und der Verzicht auf exotischen Firlefanz. So kommen denn nach wie vor der Risotto und die Polenta auf den Tisch, das Südfleisch, eine
grosse Anzahl von ausgemachten Wurstwaren und viele andere Speisen mit langer Tradition nach den historisch gewordenen Gepflogenheiten bäuerlicher Küche, die sich aber immer als innovativ erwiesen hat.
Die Mischung zwischen regionalen italienische und schweizerischen Rezepten, von kulinarischen Werten des Südens und des Nordens mündete in eine Küche, die sich von beiden Welten die besten Stücke abschnitt.
Geschickt nützt sie privilegierte geographische Lage und die Importmöglichkeiten für Frischprodukte aus: von den täglich frischen Krustentieren über Fische und Meeresfrüchte zum Frühobst und den Frühgemüsen aus
der ganzen Welt. Dazu kommt die hochentwickelte Verarbeitungstechnik, beispielsweise beim Aufbereiten von Fleisch oder bei der Herstellung von Patisserie. Es dürfte wohl wenige Regionen geben, die eine so raffinierte
und umfassende Gastronomie bieten wie das Tessin: von der bäurlichen und volkstümlichen Küche in den „Grotti“, die sich über die ganze Region verteilen, über die Wirtschaften bis zu den restaurants erster Qualität.
Die Bevölkerung hat gezeigt, dass sie auch in der Küche aus der Begegnung verschiedener Kulturen das Beste gemacht hat.
In den vergangenen Jahrzehnten ist das Angebot noch zusätzlich durch östliche, vor allem asiatische (chinesische, vietnamesische, japanische usw.) spezialitäten bereichert worden. Heute kann der Gast aus einem
grossen Angebot auswählen: von den Speisen der Volksküche über den modernen Fastfood-Teller zu seriösen und raffinierten Gastronomie aus einer „Schule“, die inzwischen überall Anerkennung findet, erst recht,
wenn das Gericht von einem der köstlichen und inzwischen weltweit bekannten Tessiner Merlot-Weinen begleitet wird. Diese Weine haben in der Region Luganersee ihre idealen Bedingungen und die entsprechende Kultur gefunden.
Auf den Spuren der Emigration Ein soziales, wirtschaftliches und kulturelles Phänomen
Das Phänomen der Emigration ist im Lauf der Jahrunderte eine Konstante der Tessiner Geschichte. Historisch
nachweisbar bereits im ersten Jahrtausend christlicher Zeitrechnung, zeigt es sowohl in geographischer wie in chronologischer Hinsicht eine spezifische Typologie. Die Region Luganersee liegt mitten in jener voralpinen
Seenlandschaft, zu der neben den Tälern und Ebenen der voralpinen Schweiz auch ein guter Teil der Lombardei, die Täler der Region Bergamo und Brescia sowie des Piemonts gehören.
Die Emigration aus diesen Regionen beginnt in der romanischen Zeit und dauert bis ins 18. Jahrundert an, in eine Epoche, die der Tessiner Historiker Virgilio Gilardoni mit dem Begriff der „Handwerkerwanderung“
(„maestranze vaganti“) einkreiste: Maurer, Kunsthandwerker, Steinmetzen, Stukkateure, Baumeister, Freskenmaler und Architekten, die bedeutende Spuren ihres Wirkens in ganz Europa hinterliessen, vor allem in
Italien, vorwiegend in Rom und Venedig, aber auch in Osteuropa und im zaristischen Russland.
In den Stammbäumen der sogenannten „Magistri“ aus Campione, Intelvi und
Como verzweigen und verbinden sich ganze Sippen und Dynastien von grosser Bedeutung. Nennen wir beispielsweise die Solari aus Carona, die in der Certosa von Pavia und am Mäilander Dom arbeiteten und sich in Venedig mit
den Lombardo vereinigten. Oder die Rodari von Maroggia, die Gaggini aus Bissone, die Maderno aus Capolago, die Quadri aus Lugano, die Silva aus Morbio Inferiore und die Carloni aus Rovio. Oder denken wir an Francesco
Borromini aus Bissone, einen der grössten Baumeister des 17. Jahrunderts, oder an Stefano Maderno und Baldassarre Onghena, dem wir die Kirche S. Maria della Salute in Venedig verdanken; denken wir auch an Carlo Fontana
aus Novazzano, an den grossen Maler Pier Francesco Mola aus Coldrerio, an die Cantoni aus Muggio, die Canonica aus Tesserete und die Albertolli aus Bedano. Dazu kommen die Protagonisten der russischen
„Welle“, vor allem Domenico Trezzini aus Astano, der grosse Architekt, der unter Zar Peter dem Grossen St. Petersburg aufbaute, die Rusca aus Agno, die Gilardi und Camuzzi aus Montagnola, Antonio Adamini aus Agra,
Gaspare Fossati aus Morcote und viele, viele andere, die in Europa ihren kulturellen Beitrag geleistet haben. Beim Phänomen der Emigration muss aber auch die soziale und ökonomische Komponente beachtet werden.
Es gab nämlich auch die Emigration der Dienstleistenden, der Schwerarbeiter, der reisenden Kleinhändler (Marronibrater, Früchterverkäufer, Kellner, Cafetiers, Chocolatiers, Diensboten, Kofferträge, Stallburschen,
Messerschleifer, Installateure, Kaminfeger usw.), die vor allem im 19. Jahrundert in Massen auswandern mussten. Jede Region entwickelte dabei ihre Vorlieben und Spezialisierungen, weitergereicht von Generation zu
Generation. Eine starke Auswanderungswelle bewegte sich Ende des 18. Jahrunderts Richtung Amerika und Australien. Die Löhne dieser Emigranten spielten während Jahrzehnten eine wichtige Rolle in der Ökonomie des
Tessins. Neuere Untersuchungen über das Phänomen betonen vor allem den Beitrag der Emigranten zur sozialen und kulturellen Öffnung des Tessins. Es entstanden Denkmäler und Kunstwerke und rege Kontakte
zu den Ländern, in denen Tessiner Emigranten Aufnahme fanden. Historisch wurde diese emigration durch eine konstante Einwanderung kompensiert. Durch die jüngste wirtschaftliche und soziale Entwicklung fanden
sehr viele ausländische Immigranten Aufnahme im Tessin.
Das schöne Malcantone, wo die Hammerschmieden klopften Eine historisch und kulturelle reiche Region
Das Malcantone ist die Region, die auf der Strasse und mit einer kleinen Eisebahn Lugano und Ponte Tresa
verbindet, vorbei an den Dörfern Bioggio, Agno, Magliaso und Caslano. Doch handelt es sich beim Malcantone nicht um einen Talgrund, sondern um eine ausgedehnte Hügellandschaft, überragt von einer Bergkette, die
vom Monte Lema bis zum Monte Tamaro reicht und auf den Luganersee hinunterblickt. Die Region umfasst deshalb sowohl Berg- als auch Hügel- und Ufergebiete mit einem Flechtwerk von malerischen Dörfern, die
untereinander ein Gemeinschaftsleben und entsprechende soziokulturelle Aktivitäten teilen. Der Name Malcantone leitet sich von der Tatsache ab, dass diese Gegend einst reich an „magli“
beziehungsweise hydraulischen Hammerschmieden war. Zahlreiche Namen erinnern an diese in früheren Zeiten in der Region verbreitete industrielle Tätigkeit: das Dorf Magliaso, der Fluss Magliasina, der Zoo des Maglio
usw. Die Hammerschmiede von Aranno, die kürzlich restauriert wurde, ist die einzige in dieser Art, die in der Schweiz übriggeblieben ist. Hier haben in der Vergangenheit tüchtige Handwerker das Eisenerz verarbeitet,
das an vier Stellen oberhalb des Dorfes Fescoggia abgebaut wurde. In der Nähe sind noch die Überreste einer alten Gieserei zu finden.
Das Malcantone ist reich an Minen. In einigen wurden auch Gold und Silber abgebaut, so dass die Region auch schon als „kleines Tessiner Kalifornien“ bezeichnet wurde. Die Goldminen von Sessa sind heute nicht
zugänglich, aber jene von Aranno und Miglieglia können auf zwei Wanderwegen, dem „Sentiero delle meraviglie“ und dem „Sentiero verde“, dem Ufer der Magliasina entlang besichtigt werden.
Im Mittelalter verband eine wichtige Durchgangstrasse die Orte Ponte Tresa und Gravesano. Als Spuren blieben die Überreste einer Burg und die romanische Kirche von Miglieglia mit wervollen spätgotischen fresken
zurück; weitere bedeutende Fresken findet man in den Kirchen von Cademario, Arosio, Neggio und Croglio. Die zahlreichen landschaftliche schön gelegenen Dörfer sollte man sich bei einem ausgedehntes Besuch des
Malcantone ansehen. Im Museum von Curio sind historische Gegenstände und Dokumente aus dieser Region versammelt. Sessa hat in den vergangenen Jahrunderten historisch und kulturell eine wichtige Rolle gespielt;
in zahlreichen Häusern findet man noch Kapitelle und Säulen aus dem 13. bis 16. Jahrundert, alte Weinpressen, darunter eine aus dem Jahre 1407, deren Schaft aus einem 11 Meter langen Nussbaumholz
besteht. Das Malcantone ist eine grüne Region, vor allem in der oberen Hälfte, bestehend aus vielen Wäldern, die der Pflege der Forstverwaltung des Malcantone unterstellt sind.
Ein schöner Ausflug lässt sich auf den Monte Sassalto oberhalb von Caslano machen. Dieser felsige Hügel, der in den See hinausragt, ist bekannt für seine ausserordentlich reiche Vegetation von teilweise seltenen
Pflanzen. Die ganze Region Malcantone ist ein eigentliches Wanderparadies mit vielen Fusswegen, wie sich auf der Spezialkarte nachsehen lässt, die vom regionalen Verkehrsverein in Caslano abgegeben wird.
Ein generöser Berg – dem Namen nach und in Wirklichkeit Der Berg der Naturfreunde
Wer vom Süden bei Ponte Chiasso ins Tessin einreist, wird von einem ausserordentlich imposanten
Empfangskomitee begrüsst: vom Monte San Giorgio und dem Monte Generoso, zwei Bergen, die es auf sich haben, sowohl in naturhistorischer Hinsicht als auch in ihrer Eigenschaft als Erholungslandschaften. Auf dem
San Giorgio gibt es einen Naturlehrpfad, der über die geologischen Besonderheiten dieses Berges und seinen Reichtum an Fossilien Auskunft gibt. Interessant auch die Dörfer, die sich an diesen Berg anlehnen und
Zeugnis ablegen von der architektonischen und künstlerischen Begabung der Bevölkerung. Dem Monte Generoso hätte man keinen besseren Namen geben können. Er ist wahrhaft generös,
beispielsweise für die Botaniker, indem er eine grosse Vielfalt von Blumen gedeihen lässt, von denen einige auf Schweizer Territorium nur hier vorkommen; generös ist er auch für zoologisch Interessierte, denn seine
Abhänge erinnern an einen Naturpark, in dem sich Gemsen, Füchse, Eichhörchen und andere freilebende Wildtiere tummeln; auch den Insektenforschern ist er gut gesinnt, denn hier finden sich einige Arten, die
sonst nirgends vorkommen; und schliesslich befriedigt er auch die Höhlenforscher, indem er ihrer Leidenschaft rund 50 Höhlen zurVerfügung stellt.
Alles in allem eine natürliche Umwelt von ausserordentlichen Qualitäten, die schon in den vergangenen Jahrunderten eine lebendige und für die Menschen wichtige Rolle spielte. An seinen Hängen, sowohl auf
schweizerischem als auch italienischem Territorium, sind zahlreiche kleine Ansiedlungen entstanden, deren Bewohner sich vorwiegend mit Alpwirtschaft beschäftigen. Es entstanden hier ureigenste Formen von
Berglandwitschaft und ein Lebensstil, der sich den Gegebenheiten des Berges anpasste. Ein gutes Beispiel dafür sind die sogenannten „nevere“, zylindrische Konstruktionen, die mit Schnee und Eis gefüllt wurden, um
frische Milchprodukte und andere Lebensmittel aufzubewahren. Hier haben die Menschen sich so installiert, dass sie mit der Beschaffenheit des Territoriums und der spezifischen Vegetation in Einklang leben und arbeiten konnten.
Es ist richtig, zu sagen, dass der Generoso zwei Gesichter hat: ein schweizerisches, eher rauhes und anspruchsvolleres, und ein italienisches, das weicher und reicher mit Weidland gesegnet ist. Auf beiden Seiten
aber handelt es sich um eine grüne, weitgehend unberührte, dem Autoverkehr nicht zugängliche Landschaft, ein ideales Ausflugsziel für Wanderfreunde. Die Monte Generoso-Bahn fährt von Capolago am Luganersee auf
den Gipfel hinauf. Anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Bahn wurde ein Führer mit 26 Wandervorschlägen herausgegeben. Zahlreiche Vorschläge finden sich auch in der Ausflugskarte des Mendrisiotto im Masstab 1:25'000.
KURIOSITÄTEN
Mit der Kaiserin auf den Monte San Salvatore Ein Ausflugsziel, reich an Geschichte und Traditionen
Der Monte San Salvatore ist, zusammen mit seinem Gegenüber, dem Monte Bré, einer der beiden Berge,
welche die Bucht von Lugano einrahmen. Von den Gipfeln der beiden Berge geniesst man ein herrliches Panorama. Bei beiden Gipfeln handelt es sich um interessante Ausflugsziele, auch in historischer Insicht. Das Kirchlein,
das auf dem Gipfel des San Salvatore steht, ist Beweis dafür. Die Geschichte des Kirchleins reicht bis ins 12. Jahrundert zurück, in die Zeit, als der Bischof von Como seine Güter auf dem San Salvatore der Stadt
Lugano verkaufte. Schon damals stand dort eine kleine Kapelle, die später in eine kleine Kirche mit einem Turm und einer roten Laube umgebaut wurde.
Bald schon begannen die Leute, Wallfahrten zu dieser Kirche zu unternehmen, besoders an Auffahrt und an Pfingsten. Zu Hunderten stiegen sie bestend auf den Berg hinauf. Wer von weit her kam, pflegte in der Nähe
des Kirchleins zu übernachten. Im Jahre 1703 wurde das alte Kirchlein abgerissen, um zwei Jahre später einer neuen Kirche Platz zu machen. Frauen aus Pazzallo und Carabbia waren als Freiwillige im Einsatz und
schleppten das Baumaterial auf den Berg hinauf. Die Geschichte des Monte San Salvatore erzählt zahlreiche kuriose Begebenheiten. So weiss man
beispielsweise, dass die Gläubigen aus den umliegenden Dörfern bei ihrer Rückkehr von der Wallfahrt jeweilen im Kollegium von Sant’Antonio einen Zwischenhalt machten, wo man ihnen Wein kredenzte. Zahlreiche Leute
nutzten diese Tradition, um nächtlicherweile das Kollegium aufzusuchen. Die Wallfahrten wurden auch von Schmugglern zum Vorwand für illegale Transporte benützt, die im 18. Jahrundert von der österreichischen
Grenzpolizei unterbunden wurden. Nach einigen zerstörerischen Gewittern wurde 1859 der erste Blitzableiter installiert und anschliessend das Kirchlein restauriert sowie ein Hospiz für die Pilger eingerichtet. Während
einiger Zeit war der Betrieb des Hospizes Major Siccoli, einem Florentiner, anvertraut, der ein Hotel projectierte, wie es bereits auf dem Gipfel des Monte Generoso existierte.
Zu diesem Zweck wurde der San Salvatore Verein gegründet, der nach dem Scheitern von Siccolis Plänen ein Traum von Luganonach Paradiso
projektierte sowie eine Drahtseilbahn von Paradiso auf den San Salvatore. Die Drahtseilbahn wurde 1890 mit grossen Festivitäten eingeweiht. Seither wurde der San Salvatore auch von Prominenz aus aller Welt besucht,
darunter Kaiserin Elisabeth von Österreich und die Söhne von kaiser Wilhelm I. In der Folge wurde der San Salvatore weiterherum berühmt und ist es bis heute geblieben. Die Wallfahrt am Auffahrtstag wird auch heute
noch durchgeführt und erfreut sich beim Volk grosser beliebtheit. Allerdings fahren die Pilger in der Regel zuerst mit der Drahtseilbahn auf
den Gipfel, um von dort aus zu Fuss auf einem markierten Waldweg nach Carona zu gelangen. Dies wurde 1965 in einem Vertrag zwischen der Seilbahngesellschaft und der Brüderschaft der Heiligen Marta fetsgesetzt,
die auch heute noch die bei derBevölkerung von Lugano beliebten religiösen Traditionen pflegt und aufrechterhält.
Mit freundlicher Genehmigung: Text: Ente Turistico Lugano Fotos: Ticino Tourismo Bellinzona
Fotos: Monte Bre, on-road-internet Weitere Auskünfte: Lugano Turismo, 6900 Lugano Tel. ++41 (091) 913 32 32, Fax ++41 (091) 922 76 53 e-mail: info@lugano-tourism.ch
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